OUTDOOR I LOCATION
Eine schöne Landschaft ist noch lange keine gute Fotolocation. Für ein Outdoor Boudoir Shooting muss ein Ort mehr können: Licht, Raum, Bewegung und die Möglichkeit, daraus eine eigene Bildidee zu entwickeln.
Warum ich eine Outdoor Location nicht einfach nach ihrer Schönheit auswähle
Stell dir vor, du siehst einen Ort und denkst sofort: Wie schön wäre es, hier zu fotografieren. Das Meer, die Felsen, das Licht, vielleicht ein weiter Blick über die Landschaft. Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung damit eigentlich schon gefallen.
Beim Fotografieren reicht das allerdings nicht.
Eine Location kann wunderschön sein und sich trotzdem kaum für ein Shooting eignen. Vielleicht ist das Licht zur gewünschten Tageszeit ungünstig. Vielleicht gibt es keine Möglichkeit, sich ruhig und ungestört zu bewegen. Vielleicht ist der Hintergrund zwar beeindruckend, erzählt auf Bildern aber genau die falsche Geschichte.
Deshalb schaue ich bei einer Location immer mit zwei verschiedenen Augen hin. Einmal als Mensch, der einen schönen Ort betrachtet. Und einmal als Fotografin, die bereits überlegt, was dort später im Bild passieren könnte.
Wo steht die Sonne? Welche Flächen reflektieren das Licht? Gibt es ruhige Bereiche und solche mit mehr Struktur? Wie bewegt man sich dort? Was passiert mit dem Körper, wenn der Untergrund aus Sand, Felsen oder unebenem Boden besteht? Und welche Perspektiven bietet der Ort überhaupt?
Erst dann wird aus einer schönen Landschaft eine interessante Fotolocation.
Besonders bei Outdoor Boudoir finde ich es wichtig, dass der Ort nicht nur als Kulisse funktioniert. Meer, Felsen, Strand oder Natur dürfen Teil der Bildidee werden. Manchmal ist die Landschaft groß und der Mensch darin nur ein kleiner Teil des Bildes. In einem anderen Moment reicht vielleicht ein Stück Felsen, eine bestimmte Farbe oder das Licht auf einer Hautpartie.
Die Location muss also nicht ständig sichtbar sein.
Sie kann auch nur spürbar sein.
Genau deshalb suche ich Outdoor Locations nicht nach einem festen Muster aus. Ich möchte nicht jedes Shooting an einem Ort fotografieren, nur weil er auf Fotos schön aussieht. Mich interessiert, welche Möglichkeiten ein Ort tatsächlich bietet und welche Bildsprache daraus entstehen kann.
Und manchmal ist es gerade ein Ort, der auf den ersten Blick gar nicht spektakulär wirkt, der fotografisch besonders interessant wird. Eine bestimmte Wand, ein Felsen, ein Stück Strand oder ein Schatten kann mehr erzählen als eine komplette Postkartenlandschaft.
Das ist einer der Gründe, warum ich Outdoor Locations gerne vor einem Shooting genau anschaue. Nicht nur, um den schönsten Platz zu finden, sondern um herauszufinden, welche Bilder dort überhaupt möglich sind.


